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''Wie fotografiere ich mein Aquarium'' BITTE LESEN !

#1 von Atreju , 18.05.2010 15:53

Wie fotografiere ich am besten mein Aquarium ?

Anläßlich der jüngsten Ereignisse möchte ich einmal näher darauf eingehen, wie man ein gelungenes Bild von einem Becken schießt. Schon bei der Kamerawahl ist es wichtig sich ein lichtstarkes Gehäuse und ein lichtstarkes Objektiv auszusuchen was sich leider immer auf den Geldbeutel negativ auswirkt. Ich habe mein Nirvana derzeit in einer Nikon D700 gefunden, für die meisten Beckenaufnahmen verwende ich das 24-70mm Objektiv von Nikon. Es besitzt eine Lichtstärke von 2,8 bei Offenblende und das über dem gesammten Zoombereich. Für Fischporträts verwende ich auch von Nikon das 70-200mm 2.8. Für kleinere Fische das 70-300mmVR.
Ein Makroobjektiv fehlt mir leider noch.

Wenn wir also jetzt vor unserem imaginären Testbecken stehen und es auf ein Bild bannen möchten, wäre es von Vorteil, erstmal die Lichtverhältnisse abzuchecken. Schon hier kann man auch mit Kompaktkameras viel falsch machen. Wichtig ist einmal, alle umliegenden Fehlerquellen auszuschließen, da ein Aquarium aus Glas besteht, reflektieren alle möglichen Phantomlichtquellen an den Scheiben was sich bei den Fotos negativ bemerkbar macht. Man sieht beispielsweise VOR unseren Fischen das Haus vom Nachbarn, den Fernseher, die Küchenbeleuchtung usw.
Also sofern vorhanden, alle Vorhänge, Rollos schließen, alle anderen Beleuchtungen abdrehen, es sollte nicht einmal eine Kerze brennen, der Idealzustand wäre erreicht wenn es rund ums Becken stockfinster ist, das danken Euch dann auch die Fische beim Fototermin, da sie die Umgebung rund ums Becken nicht mehr wahrnehmen und sich so die Fluchtdistanz wesentlich verkürzt. Hastige Bewegungen führen leider dazu, daß sich manche Aquarienbewohner aprupt verstecken was zu unnatürlichen Fotos führt. Noch ein Geheimtipp ist die Pumpen abzuschalten, da die Pflanzen durchs Wackeln keine Bewegungsunschärfe mehr erzeugen können.
Die Beleuchtung des Beckens würde ich für ein normales Bild auf 100% stellen, wie oben schon erwähnt ist Aquarienfotografie ein Spiel mit dem Licht. Es ist eben leicht grenzwertig bei schlechten Lichtverhältnissen Tiere zu fotografieren, die zum Teil herumwuseln wie eine Horde Fußballer, bei Sport oder Tierfotografie benötigen wir nämlich kurze Belichtungszeiten, die im krassen Gegenteil zu den schlechten Lichtverhältnissen stehen. Man kann natürlich für ein Stimmungsfoto auch nur einen Teil der Beleuchtung aufdrehen, muß aber mit einer längeren Belichtungszeit rechnen was sich negativ auf die Bewegungsunschärfe auswirkt.

Grundsätzlich wird bei einem Foto der Sensor der Kamera solange wie notwendig belichtet um die richtige Belichtungszeit zu erreichen. Wenn eben lange belichtet wird legt zB ein Tier in dieser Zeit eine gewisse Entfernung zurück, hier genügen bereits kleine Bewegungen um auf einem (zu)lange belichteten Bild (zB. 1/20 stel) Bewegungsunschärfe zu erzeugen. Daher gilt es die Belichtungszeit so kurz als möglich zu halten. Leider steht dem Wunsch nach kurzer Belichtungszeit gleich die ''Blende'' am Objektiv im Weg. Je kleiner die Blendenzahl (ergibt eine kürzere Belichtungszeit) gewählt wird umso geringer wird die Schärfentiefe. die kleinste Blendenzahl entspricht der Offenblende, hier erreicht man am Sensor die kürzeste Belichtungszeit, was wir ja zugegebenermaßen so wollen. Nur erkaufen wir uns diesen Vorteil mit einem entscheidenden Nachteil.
Bei Offenblende ist nur GENAU die Ebene scharf, die der Focus erfaßt, den Hintergrund kann man nur mehr als Bokeh (verschwommen) wahrnehmen. Dies schaut natürlich wenn man ein einzelnes Tier fotografiert sehr schön aus, man verwendet die Technik auch wenn man Personen porträtiert. Bei einer Gesammtansicht des Beckens jedoch, ist der Effekt, sofern er nicht absichtlich als Stilmittel verwendet wird unerwünscht. Vereinfacht gesagt werden ein paar Zentimeter hinter den Pflanzen auf die der Focus gelegt wurde, alle anderen Pflanzen unscharf, auch davor. Aber eigentlich sollte man froh sein, daß man die Tiefenschärfe so einfach als Gestaltungsmittel einsetzen kann. Ich möchte Euch das Thema an Hand eines Beispielbildes illustrieren, Ihr werdet sehen das ist ganz einfach.

Hier sehen wir das Bild mit Blende 2,8 das Bokeh untermalt das Motiv schön, die Pflanze ist von der Umgebung freigestellt.
ideal auch für ein Diskus- oder Welsporträt

[attachment=2]DSC_9608.jpg[/attachment]

Hier sehen wir dasselbe Motiv abgeblendet, Man kann den Hintergrund deutlich erkennen, der einzige Grund warum er etwas unscharf ist, ist weil er sicher 8 Meter weit
weg liegt. Wäre er näher, ein Becken ist ja zB nur unter einem Meter breit, wäre er knackscharf. Also solche Dinge kann man auch bei der Landschaftsfotografie anwenden, aber das ist ein anderes Thema.

[attachment=1]DSC_9607.jpg[/attachment]

Ich möchte noch kurz das Abblenden etwas durchleuchten, blendet man ab, verengt das Objektiv den Durchmesser des Objektives, mit dem der Sensor belichtet wird, ähnlich dem menschlichen Auge-wenn man konzentriert schaut, verengen sich auch die Augenlider, das sollte jeder kennen. so wird eine bessere Tiefenschärfe auf Kosten der längeren Belichtungszeit erreicht.

Am besten man stellt mit der eigenen Kamera Versuche an, wenn man erstmal weiß wo man herumdreht, stellen sich schnell erste Erfolge ein. Probiert ruhig auch andere Motive. Als Beispielbild für eine längere Belichtungszeit unabhängig von der Blende habe ich hier die Bewegung eines Wasserfalles eingefangen. Wichtig ist dabei die Kamera absolut ruhig zu halten.
Die Blende könnt Ihr am besten verstellen, wenn Ihr bei der Kamera auf Blendenautomatik umschaltet.

[attachment=0]DSC_0100.jpg[/attachment]

Da wir jetzt gelernt haben, wie wichtig es ist eine kurze Belichtungszeit und zumindest eine Blende von 4 oder 5 zu haben möchte ich noch die Auslösetechniken durchgehen.
Am besten Ihr setzt Eure Kamera auf ein Stativ, somit wäre zumindest die Unschärfe die man selbst durch Verwackeln hervorruft ausgeschlossen. Wenn eure Kamera einen Fernauslöser hat, verwendet Ihn, er schließt erneutes Wackeln beim Auslösen aus. Last but not least gibt es bei DSLR's noch die Möglichkeit der ''Spiegelvorauslösung'', mit selbiger wird ein Verwackeln durch das Umklappen des Spiegels verhindert. Somit wären einmal kameraseitige Irrtümer ausgeschlossen.

Sollte die Belichtungszeit zulange sein, kann man sich noch mit den ISO Werten behelfen, dies hängt wesentlich von der Qualität der Kamera ab, ich finde immer die Werbungen irreführend wo Laien bei Kompaktkameras Werte von 6400 vorgegaukelt werde. Probiert man nämlich mit einer Kompakten bei diesen Werten zu fotografieren schauen die Fotos aus wie in der Geisterbahn.
Ein ähnlicher Werbegag wäre, wenn man in einer Ente einen Porsche turbo Tacho montiert und bei den Werbebroschüren mit 320km/h abfotografiert am besten mit ISO 90000 ;-).
Realistisch sind für gute kompakte unter ISO 500 meist leider Richtung 200 gehend. Für Mittelklasse DSLR's ehrliche ISo 800, bei Referenzgeräten wie NikonD700 oder D3s bis zu 3200.
Man erzielt sogar bis zu ISO 5000 gute Ergebnisse, wie bei vielen Dingen hängt aber das erwünschte Resultat und die damit verbundene ISO Zahl vom Einsatzzweck stark ab. Wenn man zb nur ein Foto in der Auflösung 700x700 braucht kann man auch mit höheren ISO-Zahlen fotografieren. Versucht man es jedoch als Plakat zu drucken wird es rauschen wie die Bäume im Wald.
Die ISO Zahl bezeichnet übrigens die Lichtempfindlichkeit des Sensors wie früher bei analogen Kameras die Lichtempfindlichkeit bei Filmen. Beiden ist gemein, daß die Bilder bei zu hohen ISO Zahlen rauschen,

Beim Fotografieren ist es sehr wichtig, daß der Fotoapparat immer parallel zur Aquarienscheibe gehalten wird, Ihr verhindert damit unerwünschte Verzerrungen. Meist sind Fotos in der Art auch Ergebnisse von unverbesserlichen BLITZknipsern, den Blitz vergaß ich oben bei den Spiegelungen zu erwähnen, das der sich an der Scheibe spiegelt ist wohl klar ;-). Spiegelungen in der Art werden dann meistens durch schräge Bildwinkel ausgeglichen um die Spiegelung vom Blitz zu kaschieren, was genau genommen Unfug ist. Es ist selbstverständlich möglich Aquarien auch mit Blitz zu fotografieren, aber mit einer anderen Technik. Man benötigt dazu einen Blitzfernauslöser und einen externenBlitz, Der oder die Blitze werden oberhalb des Aquariums angebracht, der Fernauslöser wird statt dem Blitz auf die Kamera montiert. Hierbei gibt es zweierlei Maß, ich hatte zuerst einen billigen um ca 60€ und wurde nicht glücklich damit. Man sah an der Scheibe einen relativ großen roten Punkt, auch fand keine Informationsausstausch zwischen Kamera und Blitz statt. Leider glich die günstigere Variante mehr einen Lotteriespiel als einer vernünftigen Zusammenarbeit zwischen Blitz und Kamera. Bessere Systeme mit Infrarot und TTL Übertragung kosten zwischen 250 und 400 € verbessern aber die Ergebnisse wesentlich. Optional kann der Blitz noch mit einem Bouncer bestückt werden für eine regelmäßigere Lichtverteilung. Das Maß der Dinge wäre eine Softbox, die Umsetzung hängt allerdings stark von der Beckengröße ab.

So, ich fasse nochmal zusammen :


für DSLR ' s :

*Stativ
*Spiegelungen ausschalten/Raum abdunkeln
*ab- oder aufblenden => probieren
*probieren wie weit man mit der ISO Zahl hochfahren kann
*Fernauslöser/Spiegelvorauslösung
*Blitz mit Fernauslösung, ggf. Softbox oder Bouncer
*Den Blitz in verschiedenen Stellungen ausprobieren (Nicht die Frau ;-)))) )
*Parallel zur Scheibe knipsen
*Warten bis die Tiere schön stehen
*Pumpen fürs Foto abdrehen


für Kompakte :

*Stativ
*Spiegelungen ausschalten/Raum abdunkeln
*ab- oder aufblenden => probieren (kann ich nicht 100%ig sagen da ich noch nie eine Kompaktkamera hatte)
*probieren wie weit man mit der ISO Zahl hochfahren kann
*statt dem Fernauslöser könnt Ihr den Selbstauslöser verwenden, gibt den gleichen Effekt
*ja nicht blitzen
*Parallel zur Scheibe knipsen
*Warten bis die Tiere schön stehen
*Pumpen fürs Foto abdrehen


Für ''Fotografen'' die Fotografieren wenig bis gar nicht interessiert , die meisten Kompakten und auch die ''kleineren'' DSLR's haben verschiedene Aufnahmeprogramme.
Für Fischporträts könnt Ihr die Porträtfunktion benutzen. Für eine Gesammtansicht am besten Landschaft, wenn Die Tiere eine zu starke Bewegungsunschärfe haben könnt Ihr auch Sport
probieren......


Viel Spaß beim Fotografieren wünscht

Bruno



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Atreju
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